(3) Wie finde ich heraus, was ich will?

BERUFLICH NEU ANFANGEN - und es sich möglichst leicht machen

Kapitel 3: BERUFLICH NEU ANFANGEN – und es sich möglichst leicht machen

Wo zieht es mich hin?

Sind Sie es auch gewohnt, bei der Arbeit nicht auf Ihre Gefühle achtzugeben? Wer lange Zeit überhaupt nicht auf die eigenen Bedürfnisse gehört hat, ist manchmal völlig ratlos, was sie oder er als berufliche Alternative tun könnte.

Manche meinen ja, wenn sie nur wissen, was sie nicht mehr wollen, dann sei das falsch. Dabei stimmt das nicht. Denn dann steht eine Grenze schon einmal fest und das ist sehr gut! Aus dem, was man definitiv nicht mehr will, lassen sich auch positive Sätze ableiten:

„Ich will nicht mehr, dass mir in die Formatierung meiner Excel-Tabelle reingeredet wird“ – Das heißt positiv formuliert: Ich möchte meinen Bereich gestalten, wie ich es gut finde und ich will mich nicht über Kinkerlitzchen, sondern über die wesentlichen Dinge austauschen.“ (Zum Beispiel)

„Ich will keinen Chef mehr, der die Erfolge als seine verkauft und die Misserfolge anderen zuschiebt, also mir.“ – Das heißt: Ich will einen Chef, der mir meinen Rücken stärkt, im guten und im schlechten Fall. (Zum Beispiel)

Das Prinzip dürfte klar sein.

Es lohnt sich deshalb, sich auch dem zu widmen, was man nicht mehr will und daraus positive Vorstellungen abzuleiten. Sie werden sehen, da kommt einiges zusammen. Ich rate beim Nachspüren der eigenen Bedürfnisse immer zur Verschriftlichung. So können Sie später immer wieder nachlesen, was Sie ursprünglich angetrieben hat. Im Moment denken Sie vielleicht, Sie werden die Situation, aus der Sie wegwollen, nie vergessen. Sie ist sehr präsent. Aber Ihre Gefühle dazu werden sich schnell verändern, wenn Sie anfangen, sich mit einer Alternative auseinanderzusetzen. Und manchmal braucht man die ersten Gedanken noch einmal zur Orientierung. Schreiben Sie deshalb auf, was Ihnen so durch den Kopf geht, was Sie nicht mehr haben wollen und was Sie stattdessen wollen.

Nur ist das Gegenteil noch nicht genug. (Sie dachten sich das sicher schon.)

Wenn man sich nur an dem Gegenteil orientiert, übersieht man vielleicht einen Herzenswunsch, den man lange nicht beachtet hat.

Wünsche sind mächtige Triebfedern für unser Handeln. Deshalb schauen wir uns einmal Beispiele für solche Wünsche an. Dann können Sie Ihren eigenen besser nachspüren.

Ich selbst habe mit Herz und Seele in der Personalabteilung gearbeitet. Die Einstellung neuer Mitarbeiter hat mir sehr viel Freude gemacht. Gleichzeitig zog es mich in die Erwachsenenbildung. Ich habe damals viele Fortbildungen besucht und die Arbeit der Trainerinnen und Trainer faszinierte mich. Erst machte ich eine umfangreiche Ausbildung zur Kommunikationstrainerin, die ich selbst bezahlte (andere haben auch teure Hobbys). Die Begeisterung für diesen Beruf wurde immer größer. Eines Tages gab es ein Angebot von einem Weiterbildungs-Unternehmen und ich nahm es an. Ich fragte nicht mehr nach Gehalt, Sozialleistungen oder Altersbezügen. Der Wunsch, selbst als Kommunikationstrainerin zu arbeiten, war stärker als solche Argumente und intensiver als meine Freude in der alten Stelle.

Ein anderes Beispiel: Eine Frau arbeitete als Arzthelferin („Medizinische Fachangestellte“ heißt der Beruf heute). Sie war die gute Seele der Praxis, konnte sehr gut mit den Patientïnnen umgehen und kannte sich auch in den Praxisabläufen bestens aus. Bei so viel Anerkennung hätten andere nicht über eine Veränderung nachtgedacht. Doch ihr machte es zu schaffen, wie normal es zu sein scheint, dass viele ältere Leute täglich fünf oder mehr Medikamente zu sich nehmen oder wie achtlos viele mit ihrer Gesundheit umgehen. Sie interessierte sich für Alternativen. Für Gesundheitstraining, für Naturheilmittel und Komplementärmedizin. Sie machte die Heilpraktikerprüfung, fiel mehrmals durch, weil das neben ihrem anstrengenden Beruf wirklich schwer für sie war. Kündigte vor der dritten Prüfung, arbeitete übergangsweise in einem Bioladen. Inzwischen hatte sie ihren Wunsch nach einer eigenen Naturheilpraxis so klar vor Augen, dass der Schritt dahin einfach sein musste. Weitere Ausbildungen zur Systemischen Beraterin, Familientherapeutin, Gesundheitsberaterin kamen hinzu. Das ist alles lange her. Ihr Wunsch war stärker als alle Widerstände.

Solche Wünsche sind nicht aus der Abwehr geboren „Ich möchte nie mehr …“ Sie kommen aus dem Herzen. Ihnen zu folgen, hat die größte Kraft.

Bevor wir zum nächsten Thema kommen, liegt mir noch ein wichtiger Hinweis auf dem Herzen: Wünsche verschwinden nicht einfach. Man kann sie zwar verdrängen, aber das kostet einen permanenten Kraftaufwand. Dazu muss man auch seine Gefühle verdrängen und seinem Geist Schranken auferlegen. Das begrenzt wiederum die Kreativität. Als Ergebnis fühlt man sich schlecht und weiß gar nicht, warum. Irgendwann erreicht einen auch die Liebe nicht mehr. Menschen, die einen Herzenswunsch verdrängen, stehen innerlich enorm unter Druck und brauchen viel Kraft, um ihren Wunsch zu unterdrücken. Das führt zu Erschöpfung.

Warum macht man das? Unerfüllte Träume haben oft mit Enttäuschungen zu tun. Manchmal sind das Gefühle, die wir jahrelang unterdrücken. Weil man sich eine Sache so sehr wünscht – und gleichzeitig weiß, es liegt nicht allein in der eigenen Hand, sie zu erfüllen. Das macht die Angst vor einer Wiederholung groß. So fristen Träume ein Schattendasein und gehören doch zu uns.

In Krisenzeiten – und die Entscheidung für einen beruflichen Neubeginn kann sich durchaus wie eine Krisenzeit anfühlen, auch wenn sie aus eigenem inneren Antrieb heraus angegangen wird – in Krisenzeiten können Träume leichter verstanden werden als sonst. Da liegt daran, weil man empfindsamer ist, wenn das Leben nicht ganz rund läuft.

Unter „Träumen“ verstehe ich nicht nur nächtliche Träume. Viel mehr sind es Ideen, die Ihnen im Kopf herumspuken oder plötzliche intuitive Einfälle.

Die Traumbilder bringen noch nicht die Lösung – aber sie bringen Wegweiser und Anregungen, in welche Richtung sich das Neue entwickeln könnte. Noch mag die Botschaft der Träume verschlüsselt sein; sie wird aber Stück für Stück greifbarer. Darauf können Sie vertrauen. Lösungen entwickeln sich. Wenn sie Ihnen dann „plötzlich einfallen“, ist vorher in Ihnen schon sehr viel passiert.

Nach der landläufigen Meinung ist eine Krise oder eine kritische Zeit dann überwunden, wenn alles wieder so ist, wie es früher war. Das könnte ein Fallstrick sein, denn „normal“ ist oft auch gleichzusetzen mit einem Rückfall in alte Denkmuster, die damals gepasst haben, als Sie sich für Ihre jetzige Arbeit entschieden haben. Aber nun sind Sie weiter.

Wenn das Erträumte konkreter wird, dann bemerken Sie das durch einen Energieschub. Manche Leute würden sagen: „Ich gerate außer Rand und Band und bin ganz aus der Fassung“. Andere verstehen, dass sich nun die Träume besser fassen lassen.

Beim Thema Träume sehe ich bei meinen Kundïnnen oft leuchtende Augen. Leider oft nicht lange. Dann kommt die Frage: Und wie wird das finanziell weitergehen?